Zwei Unfälle formten körperlich und geistig aus ihm einen neuen Menschen, und dies geschah im Zusammenhang mit dem Lesen von Dostojewski. Wiederum las er alles (auch über ihm)! Im Moment beginnt seine literarische Tätigkeit erst spät, da er tagsüber seinem Sohn bei der Sanierung eines alten Hauses hilft.
Seit Beginn des Ukrainekrieges stehen seine Räder, jedoch nicht die „Schreibfeder“, still. Verrücktes Deutschland! Kein Verlag, keine Agentur, selbst die Buchhändler (50 vorgestellt), nehmen zurzeit nichts in ihr Programm auf, was im Zusammenhang mit Russland steht. Selbst die regionalen Bibliotheken verweigern jegliche Lesung.
Um diese Erfolglosigkeit zu beenden, ist die logische Konsequenz, die Gründung eines Eigenverlages. Die bisherige Tätigkeit als Selfpublisher, das bedeutet, er schreibt, korrigiert, entwirft das Cover, alles selber, sehr zugute. Nur der Glaube an die Richtigkeit dieses Schrittes: großer Zuspruch auf der Leipziger Buchmesse; Dostojewski ist heute immer noch sehr beliebt, welches die hohe Auflagenzahl der letzten Übersetzung von Swetlana Geier bewies, gibt ihm die Kraft dazu.
Die schriftstellerische Größe von Dostojewski ist kaum erreichbar, doch dem Idol neues Leben einzuhauchen, ist schon lobenswert, zumal die Gesamtheit der bisherigen Bücher schon eine kleine Sensation darstellen, denn wer wagt es schon, einen angefangener Roman nach über 150 Jahren zu vollenden, aus Geschichten Kurzromane entstehen zu lassen und diese zusammenzufassen, und eine Frechheit ist der Versuch, aus einem guten, durch Überarbeitung, einen sehr guten Roman entstehen zu lassen, was sogar noch gelang.
Wünschen wir einem älteren Herrn viel Erfolg, der praktisch ein neues Leben anfängt.